DOMS vs. ERP – Konkurrenz oder Power Duo?

Lucas Wedekind
Product Owner
Distributed Order Management Systeme (DOMS) und Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme sind wertvolle Softwaresysteme für den modernen Einzelhandel. Während das ERP-System schon seit Jahrzehnten ein wichtiges System für verschiedene Arten von Unternehmen ist, ist das DOMS eine recht neue Software, die entwickelt wurde, um immer komplexer werdende Anforderungen zu bewältigen. Aber was ist der Unterschied zwischen einem DOMS und einem ERP-System und wer kann davon profitieren?

Was ist ein ERP-System?
Ein ERP-System unterstützt dabei, alle Prozesse, die für den Betrieb eines Unternehmens notwendig sind, in einem System zu erfassen und zu verwalten. Je nach Branche und Unternehmen gehören dazu zum Beispiel Finanzen, Personalwesen, Produktion, Lieferkette, Logistik, Dienstleistungen oder Beschaffung. So nutzt beispielsweise der Vertrieb das ERP-System zur Verwaltung von Kund:innenaufträgen, während das Finanzwesen es nutzt, um einen Überblick über die Zahlungen zu erhalten und diese abzuwickeln. Ein ERP-System wird genutzt, um alle verschiedenen Arten von Prozessen in einem System zu verwalten und die verfügbaren Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen.
Wie andere technologische Funktionen hat sich auch ERP in den letzten Jahren rasant entwickelt. Moderne ERP-Systeme sind oft cloud-nativ und arbeiten mit Algorithmen und KI, um Prozesse effizienter, agiler und schneller zu machen. Im besten Fall befinden sich alle Daten des Unternehmens im ERP-System, so dass es als zentrale Datenquelle für das Unternehmen fungiert. Das System besteht aus verschiedenen Modulen, die miteinander kommunizieren und auf eine gemeinsame Datenbank zugreifen. Bei effizienter Nutzung liegen die Vorteile für Unternehmen, die ein ERP-System einsetzen, in höherer Produktivität, tieferen Einblicken, schnelleren Reportings, geringerem Risiko, einfacherer IT und verbesserter Agilität.
ERP-Systeme für Händler
Ein ERP-System kann auch für Händler hilfreich sein, um von den oben genannten Vorteilen zu profitieren. Insbesondere für Einzelhändler mit bestehendem Online- und Offline-Geschäft und mehreren Vertriebskanälen ist es nützlich, die verschiedenen Kanäle, Standorte und Prozesse effizient zu verwalten. Das ERP-System kann Bereiche wie Produktplanung, Kosten, Marketing, Lieferketten und Bezahlung abdecken. Es ist jedoch kein flexibles System, das Sie leicht an Ihre Bedürfnisse anpassen können. Es ist in der Regel für allgemeine Anwendungsfälle und die Abwicklung einer Vielzahl von Geschäftsfunktionen konzipiert. Es stößt jedoch an seine Grenzen, wenn es darum geht, komplexe Aufträge zu verwalten und die Customer Journey des Händlers zu verbessern. Daher ist ein DOMS für Einzelhändler von entscheidender Bedeutung, vor allem für solche mit einem Online- und Offline-Geschäft.
"Ein ERP-System stößt an seine Grenzen, wenn es darum geht, komplexe Aufträge zu verwalten und die Customer Journey des Händlers zu verbessern. Daher ist ein DOMS für Einzelhändler von entscheidender Bedeutung, vor allem für solche mit einem Online- und Offline-Geschäft."
DOMS: Der Spezialist für die Verwaltung von Aufträgen
Das DOMS ist ein Spezialist im Bereich Auftragsmanagement, der speziell für sehr komplexe Anforderungen an den Order Management Prozess entwickelt wurde. Es handelt sich um eine Softwarelösung, die alle On- und Offline-Bestellungen verwaltet und koordiniert, von der Bestellung bis hin zur Produktauslieferung und Retouren. Das DOMS vereinfacht den Fulfillment-Prozess des Einzelhändlers, indem es alle Bestell- und Bestandsdaten konsolidiert und die Kund:innenpräferenzen intelligent mit dem gesamten Fulfillment-Netzwerk abgleicht. Mit einem modernen DOMS können Einzelhändler Regeln und Kriterien sehr spezifisch anpassen, die das System dann beim Order Routing berücksichtigt. Es ermöglicht Auftragssplits, kann Faktoren wie kostenoptimierte und schnellere Lieferungen und Kund:innnenwünsche berücksichtigen, ermöglicht das Angebot diverser Lieferoptionen, mehr Informationen und Optionen beim Checkout für Kund:innen sowie die Abwicklung von Retouren. Außerdem erhöht das DOMS die Produktverfügbarkeit, weil es die Bestände konsolidiert und den gesamten Bestand des Fulfillment-Netzwerks zugänglich macht. Dadurch verringert sich das Risiko, dass Artikel nicht mehr vorrätig sind, wenn eine Nachfrage entsteht. All dies verbessert die Customer Journey und damit die Kund:innenzufriedenheit.
Ein DOMS ist besonders vorteilhaft für Einzelhändler mit verschiedenen Fulfillment-Standorten, z. B. Zentrallager, Filialen, Mikro-Hubs, Dropshipper usw., denn es verbindet Ihr gesamtes Fulfillment-Netzwerk mit Ihrem Online-Geschäft. Auf diese Weise können Einzelhändler ein nahtloses Omnichannel-Erlebnis für ihre Kunden schaffen und Konzepte wie Ship-from-Store oder Click & Collect umsetzen.
"Das DOMS ist ein Spezialist im Bereich Auftragsmanagement, der speziell für sehr komplexe Anforderungen an den Order Management Prozess entwickelt wurde. "
Herausforderungen beim Einsatz eines ERP-Systems für die Auftragsabwicklung
Ein ERP deckt einige Funktionen zur Auftragsabwicklung ab, aber es beinhaltet nicht die innovativen Order Management Funktionen eines DOMS.
Eine Vielzahl von individuellen Routing-Regeln ist erforderlich
Mit einem DOMS können Einzelhändler sehr spezifische Regeln und Funktionen wie Vorbestellungen, Backorders und andere Funktionen erstellen, die über den Standard hinausgehen. Ein ERP-System ist dafür nicht ausgelegt.
Es ist kompliziert, das System zu verwalten
Wenn ERP-Systeme als DOMS eingesetzt werden, müssen viele Anpassungen vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass alles richtig eingestellt ist und zuverlässig funktioniert. Das macht den gesamten Prozess sehr kompliziert und zeitaufwändig. Außerdem kann es in einem sich ständig verändernden Umfeld wie dem des Einzelhandels jederzeit notwendig sein, Änderungen am bestehenden System vorzunehmen. Auch das ist bei einem ERP-System sehr teuer und kompliziert.
Anspruchsvolle Kund:innenerwartungen müssen erfüllt werden
Ein ERP-System ist nicht für die Verwaltung spezifischer Aufträge und Anfragen in sehr kurzer Zeit ausgelegt. Dies kann dazu führen, dass sich Kund:innenbestellungen verzögern oder nicht korrekt bearbeitet werden. Denn ERPs sind nicht dafür ausgelegt, mit dem Tempo und der Komplexität von Direktbestellungen Schritt zu halten, insbesondere wenn der Händler über ein großes Fulfillment-Netzwerk verfügt. Daher ist es für Einzelhändler, die nur ein ERP nutzen, schwierig, die hohen Kund:innenerwartungen von heute zu erfüllen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Während ein ERP-System eine Vielzahl von Funktionen abdeckt, von denen einige denen eines DOMS ähneln, ist ein DOMS eine sehr spezifische, agile und flexible Lösung zur Optimierung des Order Management Prozesses eines Händlers. Es wurde speziell für diesen Zweck entwickelt und ist daher die bessere Wahl, wenn es um die Verwaltung komplexer Aufträge geht.

DOMS und ERP - ein dynamisches Duo
Ein ERP-System und ein DOMS stehen jedoch nicht unbedingt in Konkurrenz zueinander. Ein DOMS kann vielmehr als eine Ergänzung zu einem bestehenden ERP-System gesehen werden, das dessen Funktionalitäten ergänzt, damit sich beide Technologien auf das konzentrieren, was sie am besten können.
Softwarelösungen, die einem Best-of-Breed-Ansatz folgen, fokussieren sich auch ausschließlich auf ihren Bereich, in dem sie Spezialisten sind, um eine spezifische und optimale Einzellösung für spezielle Bedürfnisse zu entwickeln. Sie sind zudem sehr flexibel, so dass einzelne Systeme nahtlos miteinander verbunden werden können und ein reibungsloser und skalierbarer Datenaustausch gewährleistet werden kann. Auf diese Weise kann ein Einzelhändler ein DOMS nahtlos in eine bestehende IT-Landschaft integrieren, zu der auch ein ERP-System gehören kann. Einzelhändler, die auf der Suche nach Best-of-Breed-Lösungen sind, werden von der MACH Alliance beraten, die offene, zukunftsorientierte Technologie-Ökosysteme befürwortet und unterstützt.
