Routen wie ein Profi: Wie innovative Routing-Strategien Ihr Order Management neu definieren

Nils Heiden
Software Engineer
Verbraucher:innen von heute kaufen ihre gewünschten Produkte und Dienstleistungen über verschiedene Kanäle – Geschäfte, Online-Shops, Marktplätze und soziale Medien. Gleichzeitig werden ihre Erwartungen von großen Playern wie Amazon geprägt – Kund:innen wollen ein nahtloses, personalisiertes und schnelles Einkaufs- und Fulfillment-Erlebnis über alle Kanäle hinweg, das durch intelligentes Order Routing realisiert werden kann. Mit den richtigen Routing-Strategien, die Teil des Distributed Order Management Systems (DOMS) sind, können Einzelhändler diese Anforderungen effektiv erfüllen. In diesem vierten Teil unserer Blogserie über das DOMS werde ich erläutern, wie eine fortschrittliche Routing-Strategie Einzelhändlern in komplexen Umgebungen hilft.
Lesen Sie den ersten Teil unserer Blogserie über den Unterschied zwischen traditionellem OMS, Next Gen OMS und DOMS hier.
Die Vorteile einer Routing-Strategie für Händler
In sehr komplexen Umfeldern reicht das Anlegen eines einzelnen Regelsets oft nicht aus, um der Komplexität gerecht zu werden und den Use Case zufriedenstellend abzudecken. Für diesen Fal brauchen Händler eine Routing Engine, die es ermöglicht, beliebig viele unterschiedliche kontextbezogene Regelsets innerhalb einer zentralen Konfiguration anzulegen. Die Artikel einer Kund:innen-Bestellung werden entweder auf unterschiedliche Regelsets aufgeteilt oder im Ganzen einem bestimmten Regelset zugeteilt. Das DOMS identifiziert anhand der Eigenschaften einer Bestellung oder der bestellten Artikel, welches Regelset angewendet wird.
Das Anlegen unterschiedlicher Regelsets kann für verschiedene Use Cases von Vorteil sein, zum Beispiel:
- Die Bestellung einer Kundin besteht aus Artikeln, die unterschiedliches Handling benötigen, zum Beispiel Gefahrgut und Paketversand (siehe unten für Beschreibung des Use Case).
- Es sind verschiedene Regelsets für Bestellungen aus unterschiedlichen Ländern notwendig, zum Beispiel aus Deutschland und den USA.
- Ein Teil der Bestellung wird unterschiedlich gehandhabt, wenn ein Service wie Gravur oder Montage dazu gebucht wurde.
- Bestellungen werden über Marktplätze getätigt, wo besondere Regeln greifen (siehe unten für Beschreibung des Use Case).
- Bei speziellen Artikeln wie Sperr- oder Gefahrgut gibt es besondere Anforderungen.
- Kund:innen werden vom Händler speziell kategorisiert und entsprechend anders behandelt, zum Beispiel als VIP-Kund:innen.
Effektive Routing-Strategie: Gemischte Warenkörbe erfolgreich managen

Eine Kundin bestellt einen Hammer und eine Gaskartusche für ihren Camping Kocher im Online Shop eines Baumarkts. Der Hammer wird als Paket versendet, während für die Gaskartusche ein Transport von Gefahrengut benötigt wird. Außerdem wird der Auftrag auf verschiedene Lieferquellen aufgeteilt, da die Artikel nur an unterschiedlichen Standorten verfügbar sind. Der Hammer wird aus dem Lager verschickt und die Gaskartusche via Dropshipper. Die Herausforderung besteht darin, den Auftrag so zu routen, dass die Prozesskosten minimal sind, die Kundin die Produkte bequem und schnell erhält und die einzelnen Bestandteile des Auftrags in kurzer Abfolge geliefert werden.
Die Verteilung des Hammers und der Gaskartusche auf verschiedene Quellen in einem Netzwerk erfordert unterschiedliche Regelsets für den Versand von Gefahrgut und Paketware. Bei der Lieferung der Gaskartusche beeinflusst die Entfernung zwischen dem Ort des Versandes und der Kundinnenadresse den Preis direkt, was bei Paketlieferungen nicht der Fall ist. Um kosteneffizient zu handeln, müssen verschiedene Regelsets für die Erfüllung der beiden Produkte auf die Bezugsquellen angewendet werden.
Optimale Routing-Strategie für Marktplatz-Bestellungen
Der Verkauf von Artikeln über Marktplätze, zum Beispiel Amazon oder Zalando, hilft Händlern, neue Kund:innen zu gewinnen, die andernfalls nicht auf die Produkte aufmerksam geworden wären. Doch der Verkauf über Marktplätze kann auch Herausforderungen mit sich bringen, vor allem wenn Händler sich entscheiden, das Order Fulfillment nicht an den Third-Party-Anbieter abzugeben, sondern selbst zu handhaben. So können Händler den Bestand selbst kontrollieren und Kontrolle über ihre Marge behalten. Oft haben Marktplätze ganz bestimmte Anforderungen an das Fulfillment, die bei Bestellungen über den eigenen Online-Shop weniger relevant sind. Mit dem DOMS können Händler für jeden Marktplatz, über den sie verkaufen, ein eigenes Regelset anbieten, um den speziellen Anforderungen gerecht zu werden. Bei Amazon ist zum Beispiel der schnelle Versand eine wichtige Anforderung. In dem Fall sollte das Regelset einen möglichst zeitnahen Versand gewährleisten. Zum Beispiel können die Bestellungen über Amazon bevorzugt in Lagerstandorte geroutet werden, die oft eine späte Cut-off-Zeit haben oder möglichst nah an einer DHL Filiale liegen.
